AG: Architekt Peter Larcher und triendlundfessler Architekten

1.NACHRÜCKER

EU-WEIT OFFENER WETTBERWERB ENGERTHSTRASSE 216, WIEN

STÄDTEBAU

Als städtebauliche Figur wird ein Mäanderförmiger Baukörper vorgeschlagen, der den Dialog mit der Umgebung sucht ohne Hierarchien aufzubauen.
Differenzierte Gebäudehöhen strukturieren die Bebauung und schaffen einen direkten Verband zum Bestand. An den Rändern des Baufeldes werden durchwegs 6 Geschoße als angemessene Gebäudehöhe gesehen. Die nach innen orientierten Gebäudeteile werden als 7-8 Geschossige Bauteile mit begrünten Dachgärten vorgeschlagen. Damit entsteht ein homogenes Gefüge mit vielfältigen Qualitäten, Ausblicken und Freiräumen.
Durch die beiden Höfe in Richtung Nord-West bzw. Süd-Ost ´´ kommt die Sonne herein´´, Außenräume werden aufgewertet, die umgebenden Grünräume werden integraler Bestandteil des eigenen Umfelds. Die für den Bestand wichtige Durchwegung, bleibt als Weg- und Blickachse bestehen und wird Richtung Vorgartenstrasse ergänzt..
Die Höfe, bieten überschaubare Nachbarschaften, Geborgenheit und Identität und schaffen zudem differenzierte, klar zugeordnete Freiräume, die eine Aneignung und damit soziale Kontrolle erleichtern.

BAUKÜNSTLERISCHE ASPEKTE

Das Gebäude fügt sich als homogenes System in den Bestand ein. Bezugnehmend auf die unterschiedlichen Funktionen der jeweiligen Fassaden, wird ein Konzept mit hoher Flexibilität vorgeschlagen.
Ein Grundraster aus Beton bildet die Basis für flexibel positionierbare Loggien, Fensteröffnungen und eine offene Laubengangerschließung in den Obergeschossen.
Aufgrund der im Süden gelegenen Lärmquelle ´´ Feuerwehr´´ wird eine Gebäudestruktur mit zwei unterschiedlichen Trakttiefen und vorwiegend durchgesteckten Wohneinheiten vorgeschlagen. Das Erschließungssystem soll entsprechend den Projektanforderungen einen hohen Grad an Gemeinschaftsbildung beinhalten. Die Hauptzugänge befinden sich strassenseitig bzw. entlang der öffentlichen Wegachse und stärken damit die öffentlichen Flächen. Die Erschließung der Wohnungen erfolgt über ein hybrides System aus 3 Stiegenhäusern und Laubengängen. Dies ermöglicht sowohl eine vertikale, wie auch horizontale Vernetzung öffentlicher Flächen bei maximaler Aufenthaltsqualität.
Im 1. Obergeschoss werden entlang der Stiegenkerne Erweiterungsflächen als flexibel nutzbare Gemeinschaftsflächen (KIWA, Gemeinschaftsraum oder Kinderspielbereich) vorgeschlagen. Trotz der hohen Effizienz (3 Treppenhäuser und 3 Lifte) dient die Erschließung nicht nur als Weg von und zur Wohnung, sondern wird als gemeinschaftsbildendes Element des jeweiligen Bauteils gesehen.
Grundlage für die geforderte Flexibilität der Wohnungstypologien bildet ein wirtschaftliches Grundraster für Fassade, und Tragstruktur. Dier gewählte Laubengangerschließung bietet neben Ihrer Funktion als Lärmpuffer auch weitreichend, veränderbare Wohnungsgrundrisse (Schaltzimmer, Zusammenlegungen, Teilung etc.) Die Wohnungen profitieren von variablen Andockmöglichkeiten (extra Eingangstüre für das Home-Office) und der möglichen horizontalen wie auch vertikalen Kombination einzelner Wohnungen (z.B. Mehrgenerationenwohnen / Maisonette etc.)
Das Erdgeschoss entwickelt sich über die Vorgartenstrasse zur Engerthstrasse mit einem Höhensprung von ca. 1,50 m. Dieser wird über die unterschiedlichen Raumhöhen von Geschäftslokal und Kindergarten in das Gebäude integriert. Die Positionierung entlang der bestehenden Durchwegung in Kombination mit den Fahrradabstellräumen stärkt den öffentlichen Charakter und sorgt für die notwendige Lebendigkeit.

FREIRAUM

Das Freiraumkonzept greift das Öffnen des Mäanders auf und erzeugt eine Vielzahl an räumlichen Qualitäten. Eine offene mit pflegeleichten Ziergräsern bepflanzte Zentralachse (Durchwegung) wird von losen Baumgruppen flankiert. Dahinter erschließt sich der ebenerdige Hof, welcher dem Kindergarten als Freirqaum zugeordnet wird. Eine Freitreppe führt zum höher gelgenen intimeren Innenhof (Kinderspielplatz, Pflanzbeete etc.) welcher, ergänzt durch den angrenzenden Gemeinschaftsraum, Möglichkeiten für nachbarschaftlichen Austausch bietet.
Die zentrale Achse fungiert als soziales Rückgrat und verbindet die einzelnen Gebäudeteile und ihre Bewohner miteinander. Die den bestehenden und neu zu errichtenden Gebäudeteilen zugewandten Freiräume bieten Identifikationsraum für die einzelnen Hausgemeinschaften und können individuell ausgestattet werden.

ÖKONOMISCHE ASPEKTE

Das statische Konzept beruht auf tragenden Wänden in Schottenbauweise, unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Deckenspannweiten von max. 6 Metern. Durch die hohe Äquivalenz bietet sich eine Bauweise mit hohem Vorfertigungsanteil an.
Für die tragende Rasterfassade wird als Füllung eine Sandwichkonstruktion mit Panelen und Wärmedämmung vorgeschlagen. Somit setzt sich die in der Nutzung geforderte Flexibilität auch in der Fassade fort. Die Fenster können je nach Wunsch und Grösse platziert werden. Durch die schlanke Konstruktion ergeben sich konkrete Vorteile in der Flächenersparnis. (ca. 37 m2 pro Geschoss = Gesamt 222 m2)
Der Ausbau zwischen den tragenden Bauteilen in Trockenbauweise ermöglicht vielfältige Wohnungstypologien. Das kompakte Haustechniksystem und die zum großteils natürliche Belichtung bzw. Belüftung aller Räume (Bäder, Küchen, Hauskeller etc.) hilft Errichtungs – sowie Erhaltungskosten zu sparen. Die Tiefgarage schließt direkt und barrierefrei an die Stiegenhäuser an und ermöglicht durch ihre kompakte Form einen möglichst geringen Versiegelungsgrad des Grundstückes.
Durch die Anpassungsfähigkeit der Architektur an die Bedürfnisse der BewohnerInnen kann sichergestellt werden, dass Fluktuation und Konflikte in der Wohnanlage minimiert werden. Dadurch können ökonomische, aber auch soziale Folgekosten reduziert werden.

SOZIALE NACHHALTIGKEIT

Soziale Nachhaltigkeit wird durch die Alltagstauglichkeit und die Flexibilität der Grundrisse gewährleistet. Die Möblierung mit Normmöbeln soll möglich sein. Die Qualität der Freiräume – Loggien und Terrassen hat für die Bewohner einen besonders hohen Stellenwert. Daher wurde im Entwurf darauf geachtet, dass intime Freiräume mit der Möglichkeit der Mitbestimmung durch die Bewohner entstehen. Die Großzügigkeit der öffentlich zugänglichen Bereiche soll den sozialen Austausch der Bewohner untereinander fördern.
Das Zusammenleben aller Bewohnergruppen wird durch den Mix verschiedenster Typologien gefördert.

PLANUNGSTEAM

Architekt Peter Larcher mit TriendlundFessler Architekten